Karin Evers-Meyer im Gespräch mit Vertretern der Militärseelsorge
“Zu wenig Hubschrauber in Afghanistan, fehlende Psychologen und eine gewisse Anspannung”, so fasste die SPD-Verteidigungsexpertin den Bericht zusammen. Evers-Meyer: “Nach wie vor ist die Bundeswehr eine Armee im Umbruch. Ihre Entwicklung hin zu einer Einsatzarmee ist längst nicht überall abgeschlossen. Hinzu kommt aktuell die Aussetzung der Wehrpflicht und eine drastische Reduzierung der Truppenstärke. Diese ständigen Umbrüche spiegeln sich natürlich im Bericht des Wehrbeauftragten wider.”
Zwar zeigten sich die Gesprächsteilnehmer vor dem Hintergrund der aktuellen Situationsbeschreibung beeindruckt von der “immer noch hohen Leistungsbereitschaft und Motivation in der Truppe”, es gebe aber auch Anlass zur Sorge. “Vielen Soldaten wird es immer schwerer gemacht, ein soziales Umfeld aufzubauen und sich damit fest in der zivilen Gesellschaft zu verankern”, so Evers-Meyer. Die SPD-Bundestagsabgeordnete kritisiert, dass die Chance im Rahmen der Bundeswehrreform durch regionale Zusammenfassung von Verbänden und Schulen lange Anfahrwege und Abwesenheiten von der Familie zu reduzieren, nicht flächendeckend genutzt worden sei. Evers-Meyer: “Heute pendeln etwa 70 Prozent der Soldaten zwischen Standort und Familie. Das bringt erhebliche familiäre Belastungen mit sich. Die Folgen sind leider viel zu hohe Trennungs- und Scheidungsraten.”
Aus Sicht der Verteidigungsexpertin komme der Militärseelsorge eine wachsende Bedeutung zu. Laut Evers-Meyer kann die Seelsorge den Soldatinnen und Soldaten hier eine wichtige Unterstützung bieten. „Und diese Unterstützung wird immer wichtiger”, so Evers-Meyer. Die Abgeordnete fordert deshalb eine umfassende Überarbeitung der bestehenden Seelsorgevereinbarungen zwischen der Bundeswehr und den Kirchen. Diese Forderung findet seitens der Militärseelsorge Unterstützung. „Allerdings muss gewährleistet sein, dass der Geist des Vertrages erhalten bleibt“, so die Militärpfarrer übereinstimmend.
“Zum Teil stammen diese Vereinbarungen noch aus den 50er Jahren. Die Lebenswirklichkeit in der Bundeswehr hat sich aber inzwischen völlig verändert. Wir brauchen weniger offizielle Repräsentation und dafür mehr individuelle Unterstützung für den einzelnen Bundeswehrangehörigen, seine Angehörigen und Lebenspartner – und zwar dort, wo die Betroffenen tatsächlich leben.”, so Evers-Meyer abschließend.

