Woher wir kommen

 

Paul Hug - Oberbürgermeister der Stadt Rüstringen

Solidarität zu üben ist seit jeher die politische Antriebskraft der Sozialdemokratie. Wilhelmshaven zählt zu den frühesten Keimzellen der Sozialdemokratie in der Republik. Beim Hafenbau und auf der späteren kaiserlichen Werft schufteten Tausende von Arbeitern unter schwierigen Bedingungen und für kargen Lohn.

Die ersten Ansätze zur Organisation der Arbeiterschaft ergaben sich somit Ende der 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts. Zunächst kam es zur Gründung von Gewerkschaften. 1868 schlossen sich Maurer und Zimmerer in Heppens zum „Allgemeinen Deutschen Maurerverein“ zusammen. Ein Jahr später riefen sie zum ersten Streik beim Hafenbau. Im Gedächtnis blieben die Maurer Paul Grottkau, Fritz Hurlemann und Karl Trillhose. Die Obrigkeit verfolgte die „umstürzlerischen“ Bewegungen mit Argusaugen.

Reinhard Nieter, Oberbrügermeister der Stadt Wilhelmshaven (1945 - 1952

Reinhard Nieter, Oberbrügermeister der Stadt Wilhelmshaven (1945 - 1952

Die Arbeiterbewegung sah sich gezwungen, verdeckt zu arbeiten. Trillhose gründete den gewerkschaftlichen Gesangverein „Lassallia“. Eine Tarnorganisation wie auch der 1879 aus der Taufe gehobene Arbeitergesangverein „Frohsinn“. Die Leitung der Werft verbot die Mitgliedschaft in sozialistischen Organisationen und entließ 1874 deswegen erstmalig Arbeiter, 72 an der Zahl. Anderen, die sich weigerten, aus dem Lassallischen Arbeiterverein auszutreten, kündigte sie die Werftwohnung.

 Auf Betreiben Bismarcks erließen der Reichstag und Bundesrat 1878 das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“. Unterverbände, Druckschriften und Versammlungen der Sozialdemokraten, namentlich der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAPD) und ihr nahestehender Organisationen, vor allem Gewerkschaften, waren fortan in ganz Deutschland verboten. 1880 kam der Maschinenschlosser Paul Hug nach Wilhelmshaven und heuerte auf der Werft an.

Johan Janßen, Oberbrügermeister der Stadt Wilhelmshaven (1961 - 1972)

Johan Janßen, Oberbrügermeister der Stadt Wilhelmshaven (1961 - 1972)

 Er wurde bald zur treibenden Kraft der Arbeiterbewegung an der Jade. Die Werft entließ ihn 1887 wegen sozialistischer Umtriebe. Er eröffnete im oldenburgischen Bant die Kneipe „Arche“ und brachte seit 1888 das „Norddeutsche Volksblatt“ heraus. 1890 drohte ihm die Ausweisung, und Bismarck überlegte, über Wilhelmshaven, Bant und Heppens den „Kleinen Belagerungszustand zu verhängen, was allerdings am Widerstand der liberaler eingestellten großherzoglichen Regierung in Oldenburg scheiterte. Die Anhängerschaft der SPD wuchs mit der Entwicklung Wilhelmshavens und seiner oldenburgischen Nachbargemeinden. Und auch in den anderen Städten des Deutschen Reichs gewannen die Sozialdemokraten immer mehr Anhänger. 1890 war das Sozialistengesetz deshalb nicht mehr zu halten.

Der Reichstag verlängerte die Befristung nicht. Die Arbeiterbewegung feierte dies als Beginn einer neuen Epoche. Hug und Duden wurden in Bant zu Beigeordneten gewählt., und 15 Jahre später kam es zur Gründung der ersten sozialdemokratischen Frauenorganisation in Wilhelmshaven durch Tomma Hermes. Sozialdemokraten waren es, die in der Folge bis in die jüngste Vergangenheit die Geschicke Wilhelmshavens maßgeblich mitbestimmten.

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